Doppeltaktik
|
Sehr viel Spaß bereitet vielen Spielern das Doppelspiel. Doch ohne die
Kenntnisse über die Positionierung, Taktik und Laufwege auf dem Feld haben
viele Spieler gegen nur geringfügig erfahrenere Spieler wenige Chancen,
werden wesentlich schneller müde, geraten sich gelegentlich selbst in die
Quere und verletzen sich dabei womöglich gegenseitig.
In diesem Kapitel wird auf das Stellungspiel im Doppel und die Laufwege
und Taktik des Doppels eingegangen. Mit den richtigen Laufwegen und der
richtigen Taktik ist es sogar möglich, Gegner zu schlagen, die technisch
überlegen sind. Das Motto dieses Kapitels heißt: "Turn the Game and move
forward". Dieses Motto ist die Beschreibung der Taktik im Doppel von Jonas
Bugge (Spieler aus der ersten norwegischen Liga). Dieses Motto bringt die
Taktik im fortgeschritteneren Doppel recht gut auf einen Punkt und wird in
diesem Kapitel noch näher erläutert. |
Das Kompassnadelsystem
Als ersten Schritt in die Richtung des Stellungsspiels im Doppel sollte man
sich das Kompassnadelsystem aneignen. Der Gedanke dabei ist, dass jeder Spieler
ein Ende einer Kompassnadel darstellt. Wenn sich ein Spieler auf dem Feld
bewegt, bewegt sich der andere Spieler so als sei er das andere Ende der
Kompassnadel. Im Angriff stehen die Spieler hintereinander (die Kompassnadel
zeigt in Nord-Süd-Richtung) und in der Verteidigung nebeneinander (Ost-West).
Der Gedanke bei diesen Aufstellungen ist folgender: Wenn ein Team in der
Verteidigung steht, möchte es möglichst die gesamte Breite des Feldes abdecken,
damit ein potentieller Smash des Gegners auch möglichst immer abgewehrt werden
kann. Steht ein Team im Angriff, so kann der hintere Spieler mit einem Smash
Druck aufbauen, während der vordere Spieler auf eine zu kurze Abwehr der
Gegenspieler wartet, um diese dann zu "töten".
Bei ersten Versuchen, sich beim Doppelspiel an entsprechende Laufwege zu
halten, sollte ein Doppelpartner gesucht werden, der entweder bereits
Erfahrungen in der Art des Doppelspiels hat oder gleichermaßen die Bereitschaft
hat, ein entsprechendes System zu erlernen.
Zu Anfang wird es sehr schwer sein, während des Spiels an die Laufwege zu
denken und sich konform zu verhalten. Deshalb ist es ratsam, vor jedem
Ballwechsel für sich selbst inne zu halten, nachzudenken, welche Laufwege im
letzten Ballwechsel falsch waren und sich auf den nächsten Ballwechsel zu
konzentrieren.
Durch die bisherigen Erläuterungen ist klar geworden, dass sich ein Spieler
bezüglich der Positionierung auf dem Feld am anderen orientieren kann und
umgekehrt. Bleibt nur die Frage, welcher Spieler wann einen Impuls für eine
Bewegung gibt. Üblicherweise orientiert sich der Spieler, der hinten steht, an
der Bewegung des Spielers, der vorne steht, da der vordere Spieler nicht sehen
kann, wie der hintere Spieler sich bewegt. Diese Faustregel hilft bereits enorm
weiter, ist jedoch noch nicht detailliert genug, um daraus alle Laufformen
abzuleiten. Die folgenden Unterabschnitte erklären deshalb, in welcher Stellung
die Kompassnadel beginnt und wann sie sich wie bewegt.
Kompassnadelsystem beim Aufschlag
Kompassnadelsystem
beim Aufschlag. Die aufschlagende Partei positioniert sich in
Angriffstellung.
Aus dem Bild mit der Kompassnadel in Nord-Süd-Stellung wird deutlich, dass
die aufschlagende Partei im Angriff steht. Wohingegen man nicht aus dem Bild
lesen kann, dass auch die rückschlagende Partei im Angriff steht. Beide Parteien
wollen gleich beim Aufschlag den Angriff für sich gewinnen. Welche Partei
schlussendlich von der Angriffs- in die Verteidigungsstellung wechseln muss,
entscheidet sich üblicherweise in den ersten zwei oder drei Ballwechseln: Mit
Aufschlag, Rückschlag und evtl. einem dritten Ballwechsel.
Beim Aufschlag kann man sich entsprechend viel Zeit nehmen. Das macht den
Aufschlag zu einem guten Einstiegspunkt für das Erlernen der Laufwege beim
Badminton. Der Aufschläger sollte sich beim Aufschlag darauf konzentrieren,
welchen Aufschlag er machen will und welchen Laufweg der entsprechende
Aufschlag zur Folge hat.
Entscheidet sich der Aufschläger dazu, einen kurzen Aufschlag zu machen, so
sollte er sich vor dem Aufschlag darauf konzentrieren, dass er nach dem
Aufschlag vorne bleibt. Er ist nach dem Aufschlag für die kurzen Rückschläge
zuständig, während sein Partner für die langen Rückschläge zuständig ist. Die
"Kompassnadel" bleibt in diesem Fall in Nord-Süd Stellung.
Analog muss sich der Aufschläger vor dem Aufschlag darauf konzentrieren, dass
er sich nach dem Aufschlag auf seine Feldhälfte zurückbewegt, wenn er sich für
einen langen Aufschlag entscheidet. Nach getätigtem Aufschlag ist der
Aufschläger nun für seine Feldhälfte zuständig. Die "Kompassnadel" wechselt in
diesem Fall von Nord-Süd in Ost-West Stellung.
In beiden Fällen wird sich der Partner des Aufschlägers am Aufschlag selbst
und an der Bewegung des Aufschlägers orientieren, um seine Bewegung entsprechend
anzugleichen.
Wechsel vom Angriff in die Verteidigung
Wechsel
vom Angriff in die Verteidigung
Ein Wechsel vom Angriff zur Verteidigung findet dann statt, wenn einer der
Spieler der angreifenden Partei einen hohen Ball spielt, so dass die gegnerische
Partei nun einen Angriffsschlag (Smash oder Drop) ausführen kann. Die
Schwierigkeit beim Wechsel vom Angriff in die Verteidigung ist für den vorderen
Spieler der angreifenden Partei, rechtzeitig zu merken, wann ein Wechsel
stattfindet.
Spielt der vordere Spieler der angreifenden Partei einen hohen Ball, so weiß
er natürlich, dass ein Wechsel vom Angriff in die Verteidigung stattfindet und
kann sich auf eine der beiden Feldhälften zurückbewegen. Sein Partner orientiert
sich an ihm und bewegt sich auf die andere Feldhälfte. Um das Kompassnadelsystem
zu erlernen, soll dies vorerst ausreichen. Auf welche Feldhälfte sich der
vordere Spieler am geeignetsten zurückbewegt, wird bei der Einführung in die
fortgeschrittene Spieltechnik erläutert.
Der wesentlich schwierigere Wechsel vom Angriff in die Verteidigung
geschieht, wenn der hintere Spieler der angreifenden Partei einen hohen Ball
(Clear) spielt. Der vordere Spieler muss nun erkennen, dass ein Wechsel
stattfindet. Dies kann er zum einen dadurch erkennen, dass der Ball länger
benötigt, um vom Gegner gespielt zu werden, zum anderen erkennt er dies dadurch,
wie seine Gegner sich bewegen. Hat der vordere Spieler erkannt, dass der Angriff
in die Verteidigung wechselt, läuft er seitlich und nach hinten auf eine
Feldhälfte zurück. Wieder orientiert sich der hintere Spieler an der Bewegung
des vorderen. Für welche Seite sich der vordere Spieler entscheiden sollte, wird
im Abschnitt über die fortgeschrittene Spieltechnik erläutert.
Wechsel von der Verteidigung zum Angriff
Zu realisieren, wann ein Wechsel von der Verteidigung in den Angriff
stattfindet und sich danach entsprechend zu bewegen, gestaltet sich wesentlich
einfacher.
Wenn man davon absieht, ob die verteidigende Partei den Wechsel selbst
erzwungen hat (Details hierzu im Abschnitt über die fortgeschrittene
Spieltechnik), findet ein Wechsel in den Angriff genau dann statt, wenn die
gegnerische Partei die Feder hoch spielt. Für die nun folgenden Laufwege ist
entscheidend, welcher der beiden abwehrenden Spieler mit dem hohen Ball
angespielt wurde. Der Spieler, der angespielt wurde, bewegt sich nun nach hinten
und startet den Angriff, wärend der Spieler, der nicht angespielt wurde, sich
nach vorne bewegt und dort versucht, den Ball zu töten. In diesem Fall brauchen
sich die Spieler nicht aneinander zu orientiern. Sobald der Gegner den hohen
Ball spielt, können sich beide Spieler synchron bewegen.
Das Kompassnadelsystem ist in vielerlei Hinsicht nicht "ganz rund". Bei
fortgeschrittenen Spielern erinnert nur noch wenig an eine Kompassnadel. Aber
wenn ein Anfänger sich die Grundregeln des Kompassnadelsystems etwas angeeignet
hat, kann er darauf aufbauend die weiter unten beschriebenen fortgeschrittenen
Spieltechniken leichter erlernen. Um die Regeln und Laufwege des
Kompassnadelsystems zu verinnerlichen, können die folgenden Übungen von Nutzen
sein.
Übungsformen
Das Stellungsspiel im Doppel ist in der Theorie leicht zu verstehen, aber auf
dem Feld, in der Hektik des Spiels, schwer umzusetzen. Um die Bewegungsabläufe
in Fleisch und Blut übergehen zu lassen, sind Übungen gut geeignet, bei denen
die Spieler sich auf die korrekten Laufwege konzentrieren können, statt darauf,
das Spiel zu gewinnen.
Kurz-kurz-lang im Doppel:
Das
Kompassnadelsystem bei der Übung "Kurz-Kurz-Lang". Wird ein hoher/langer Ball
gespielt , stellen sich die Spieler nebeneinander in Ost-West- bzw.
Verteidigungsstellung.
Die erste und einfachste Übungsform, um das Kompassnadelsystem ein wenig zu
verinnerlichen, ist Kurz-kurz-lang. Der Aufschläger schlägt kurz auf und bleibt
demnach vorne stehen. Der Rückschläger legt die Feder kurz ab und bleibt somit
auch vorne stehen. In diesem Moment stehen beide Parteien in Nord-Süd, also in
Angriffsstellung. Der dritte Ball ist ein langer hoher Unterhandclear, der
wieder vom Aufschläger gespielt wird. Nun ist es wichtig, dass der Aufschläger
vom Netz zurückgeht. Zwar weiß er, dass in dieser Übungsform ein kurzer Ball
folgen wird, im Spiel jedoch, könnte auch ein Smash folgen. Deshalb wechselt der
Aufschläger seine Partei in die Verteidigung, indem er nach hinten und auf eine
Seite läuft. Der Partner des Aufschlägers orientiert sich an ihm und bewegt sich
entsprechend auf die andere Seite. Nun steht die rückschlagende Partei im
Angriff und die aufschlagende Partei in der Verteidigung. Die rückschlagende
Partei spielt nun wieder kurz (einen Drop), die aufschlagende Partei einen Stop
(kurz) und dann spielt die rückschlagende Partei einen Unterhandclear (lang). So
geht es dann immer weiter.
Diese Übung wird in der animierten Grafik gezeigt. Um sich besser in die
Grafik hineindenken zu können, ist es von Vorteil vorerst nur eine der beiden
Parteien und ihre Bewegungen zu betrachten. Auch ist es hilfreich sich am
Aufschlag (der Beginn der Animation) zu orientieren, sich die Ballwechsel
vorzustellen und mitzudenken, welcher Ball nun folgen wird und wie und weshalb
sich die Spieler bewegen werden/sollen.
Um wichtige Aspekte in der Übung zu verdeutlichen, wird nun auf einige
Ballwechsel der Animation näher eingegangen. Dazu werden die Ballkontakte
durchgezählt. Bei jedem Richtungswechsel des Balls hat ein Ballkontakt (Schlag)
stattgefunden. Wenn man den Aufschlag mitzählt gibt es in der Animation
insgesamt neun Schläge.
| Ballwechsel Nr. |
Art |
Erläuterung |
| 1 |
kurz |
Der Aufschlag: Beide Parteien stehen in
Angriffsstellung. Der Aufschläger spielt einen kurzen Ball. Mit einem
kurzen Ball bleibt die aufschlagende Partei (untere Kompassnadel) in
Angriffsstellung. |
| 2 |
kurz |
Die Rückschlagende Partei (obere
Kompassnadel) spielt kurz zurück und bleibt somit auch im
Angriff. |
| 3 |
lang |
Nun ist die Aufschlagende Partei wieder
am Zug. Sie spielt den ersten langen Ball. Die untere Partei spielt einen
langen Ball und orientiert sich nun in die Verteidigungshaltung. Wichtig
ist, dass die Bewegung von demjenigen ausgeht, der vorne stand und den
hohen Ball gespielt hat . Der Spieler, der hinter ihm steht, orientiert
sich an dessen Bewegung.
Bei diesem Schlag ist noch wichtig, dass
von den Spielern der oberen Partei der Spieler den nächsten Ball annimmt,
der bereits hinten steht. Es macht keinen Sinn, wenn der Spieler, der
vorne am Netz steht, mit dem Ball zurückgeht. |
| 4 |
kurz |
Der hintere Spieler der oberen Partei
spielt einen Drop. Da es sich bei dem Drop auch um einen Angriffsball
handelt, bleiben die Spieler in Angriffsposition. Die Spieler der unteren
Partei stehen nebeneinander in der Verteidigung. Es geht der Spieler zum
Ball, auf dessen Seite gespielt wird (im Fall der Animation, der
Linke). |
| 5 |
kurz |
Der Spieler der unteren Partei, der den
folgenden Ball schlägt, entscheidet sich, den folgenden kurzen Ball cross
zu spielen. Deshalb geht er ein wenig mit, denn es könnte ja (nicht in der
Übung aber üblicherweise) ein kurzer stop folgen, für den er als vorderer
Spieler verantwortlich wäre. |
| 6 |
lang |
Nun spielt die obere Partei einen langen
Ball. Der Spieler, der am Netz stand, muss nun auf eine Feldseite gehen,
damit die obere Partei in die Verteidigung wechselt. Der hintere Spieler
der oberen Partei orientiert sich an den Bewegungen des vorderen
Spielers.
Wie auch beim dritten Schlag, ist es auch hier wichtig,
dass der hintere Spieler der unteren Partei den Ball nimmt und der vordere
einfach vorne bleibt. |
| 7 |
kurz |
Nun spielt der hintere Spieler der
unteren Partei einen Drop. Da die obere Partei wieder nebeneinander (in
Verteidigung) steht, geht derjenige an den Ball auf dessen Seite gespielt
wird. |
| 8 |
kurz |
Der Spieler der oberen Partei, der den
Ball annimmt, spielt wieder kurz. Er legt den Drop mit einem Stop kurz am
Netz ab. |
| 9 |
lang |
Der Spieler der unteren Partei, der
bereits vorne steht, spielt einen
Unterhandclear. |
Kurz-kurz-lang mit Variationen:
Bei der "normalen" kurz-kurz-lang-Übung spielt immer einer der beiden
vorderen (am Netz stehenden) Spieler den langen hohen Unterhandclear. Somit
wechselt dieser auch das Spiel seiner Partei vom Angriff in die Verteidigung und
weiß deshalb immer, wann er zurück gehen muss. Schwieriger gestaltet es sich,
wenn der Spieler hinter ihm (sein Partner) das Spiel in die Verteidigung
wechselt, da der vordere Spieler nicht sieht, wie sein Partner spielt. Eine
Variation der kurz-kurz-lang-Übung ist somit, dass auf einen langen Ball (der
Unterhandclear) ein zweiter langer Ball (Clear) gespielt werden kann. Der
hintere Spieler wechselt das Spiel vom Angriff in die Verteidigung, aber der
vordere Spieler muss das Stellungsspiel der Partei in die Verteidigung drehen,
indem er seitwärts zurück geht und somit beide Spieler nebeneinander stehen. Die
gegnerische Partei spielt nun wieder einen Drop (kurz). Es folgt ein Stop (kurz)
und ein Unterhandclear (lang). Nun darf wieder sowohl kurz (Drop) als auch lang
(Clear) gespielt werden.